Wie ich mich 26 Jahre später plötzlich in einer Aufgabe wiedererkenne und merke, das kann ich richtig gut und ist meine Stärke.
Ich war Anfang 20 Jahre alt, Temporärangestellte bei der Bank CIAL (Schweiz) und meine Aufgabe war es, bei der Operngala 2000 mitzuwirken und die Stellvertretung der Projektverantwortlichen zu übernehmen.
Eine Operngala mit Gästelisten für hunderte geladene Gäste, Einladungen, Sitzplatzierung, Offerten, Korrespondenz, fremdvergebenen Aufträgen, und allem was noch dazugehört wenn man ein Grossereignis auf die Beine stellt. Die Operngala fand an 2 Abenden statt mit rund 3000 Gästen. Dirigent war Ivan Anguélov mit der Basel Sinfonietta.
Ich erinnere mich noch genau, als ich die Jobszusage bekommen habe, wie ich dachte: Das werde ich nie hinkriegen, das ist zu gross, zu komplex, zu viel Verantwortung. Ich bin zu jung und zu unerfahren dafür.
Und dann habe ich es einfach gemacht.
Das Zeugnis der Bank CIAL, das ich heute noch besitze, bescheinigt mir “überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft” und “sehr gute Leistungen” und weil die Gala so erfolgreich war, wurde ich direkt danach als Sachbearbeiterin fest übernommen.
Die Stärke, die sich selbstverständlich anfühlte
Was mich heute noch erstaunt: Ich war zwar sehr stolz auf die Gala und dass es so ein grosser Erfolg war. Ich war erleichtert, dass alles so gut geklappt hat, aber ich habe es nicht als meine absolute Stärke wahrgenommen.
Das ist das Tückische an verborgenen Stärken: Sie fühlen sich so natürlich an, dass man sie für selbstverständlich hält. Man fragt sich nicht “Wie mache ich das?” Man macht es einfach und denkt, es ist ja mein Job. Und genau deshalb sieht man es nicht als Stärke.
Was ich bei der Operngala getan habe und was mir so leicht fiel:
- Das grosse Bild sehen und gleichzeitig die kleinen Details im Blick behalten
- Verschiedene Menschen, Bedürfnisse und Zeitpläne koordinieren
- Ruhig bleiben wenn etwas nicht nach Plan läuft und eine geeignete Lösung finden
- Spüren, welche Menschen gut zusammenpassen und wer welche Rolle übernehmen soll
- Termine einhalten, Zeitmanagement im Griff haben und die richtigen Prioritäten setzen
- Die x-verschiedenen kleinen und grossen Aufgaben koordinieren und umsetzen
- Ein Thema so gestalten, dass es Menschen begeistert und bewegt
Das waren keine Skills die ich mir angeeignet hatte. Das war einfach… ich.
Warum ich es so lange nicht sah
Es gibt verschiedene Gründe warum wir unsere Stärken nicht sehen.
Manchmal hat niemand sie gelobt, weil sie in unserem Umfeld als normal galten. Manchmal haben wir uns mit anderen verglichen, die in anderen Dingen brillierten. Manchmal haben wir sie sogar für einen Fehler gehalten.
Bei mir war es eine Mischung aus allem.
Im HR-Umfeld war Organisationstalent erwartet. Niemand klopft dir auf die Schulter, wenn du etwas gut koordinierst, das ist schlicht der Job. Und weil ich hochsensibel bin und viel wahrnehme, habe ich mich oft mehr auf das konzentriert was noch nicht gut lief, als auf das was schon gelang.
Dazu kam: Ich bin keine Person die gross über sich spricht. Was ich gut kann, sage ich nicht laut. Was mich Energie kostet, merkt man mir von aussen kaum an.
Diese Kombination, leistungsfähig nach aussen, still im Innern, sorgte dafür, dass meine Stärken jahrelang unsichtbar blieben. Nicht für andere, sondern für mich selbst. Ich hatte mich nach der Gala nicht auf Events konzentriert, sondern ging in eine andere Richtung.
Der Moment der Erkenntnis
Es gibt nicht den einen grossen Aha-Moment in meiner Geschichte. Es waren viele kleine Momente die sich irgendwann zusammenfügten.
Ich habe mein ganzes Berufsleben damit verbracht, Menschen und Themen zusammenzubringen.
Im HR: Mitarbeitende und Führungskräfte, Teams und Unternehmensziele, Menschen in schwierigen Situationen begleiten und Lösungen suchen und finden.
In meiner Praxis: Klient:innen mit ihrem Nervensystem, ihren Herausforderungen, mentale oder körperliche Blockaden, von Erschöpfung zu Erholung.
In meinen Impulswochenprogrammen: Teilnehmende begleiten und ihre inneren Ressourcen erkennen zu Stärken umwandeln.
Und jetzt, in der grössten Form, die ich je gewagt habe.
Von der Operngala zum Online-Kongress
Im Oktober 2026 organisiere ich meinen ersten Online-Kongress: “Vom Blitzableiter zur Superpower — Berufsstress meistern mit Energie statt Erschöpfung.”
7 Tage, 30 Expertinnen und Experten und ein Thema, das mir aus eigener Erfahrung tief am Herzen liegt.
Wenn ich heute daran arbeite, Speaker anfragen, Programm entwickeln, Inhalte strukturieren, erkenne ich dieselbe Leichtigkeit, die ich schon bei der Operngala gespürt habe. Das Grosse und das Kleine gleichzeitig sehen, die Planung und das Konzept erstellen, die richtigen Menschen für die richtigen Themen zusammenbringen, ein Erlebnis gestalten das etwas in Menschen bewegt.
Dieselbe Stärke, ein anderes Format, 26 Jahre später 💜
Was sich verändert hat: Ich weiss heute, dass es eine Stärke ist. Ich nenne sie, ich nutze sie bewusst und ich höre auf, sie kleinzureden.
Was hinter einer verborgenen Stärke steckt
Verborgene Stärken haben oft etwas gemeinsam: Sie entstehen an der Schnittstelle von dem was uns leichtfällt und dem was uns wirklich wichtig ist.
Meine Stärke, Menschen und Themen zusammenbringen, wäre nichts wert, wenn sie nicht mit einem echten Anliegen verbunden wäre. Mit dem Wunsch, dass weniger Menschen erschöpft durchs Leben gehen, dass Berufsstress nicht das letzte Wort hat und dass Energiearbeit mehr Menschen erreicht.
Die Stärke ist das Werkzeug, das Anliegen ist der Motor. Zusammen ergeben sie das, was ich heute tue.
Was ich dir mitgeben möchte
Wenn du gerade auf der Suche nach deiner verborgenen Stärke bist, dann schau nicht nach dem was dich Mühe kostet. Oft werden wir, gerade in Anstellungen, bewertet und man kritisiert hauptsächlich was nicht gut läuft und hackt auf den Schwächen rum. Schau nach dem was dir leichtfällt, dir richtig Freude macht und trotzdem Wirkung hat. Nach dem was andere an dir schätzen, das du selbst kaum wahrnimmst und nach dem was du tust, ohne zu überlegen wie.
Genau dort ist sie. Und wenn du sie gefunden hast: Nenn sie, anerkenne sie und vor allem, nutze sie 💪
Magst du mir in den Kommentaren erzählen, was du richtig gut kannst und wie lange du gebraucht hast, es zu sehen?
👉 Mehr über meinen Online-Kongress im Oktober 2026
In meinem Newsletter bekommst du jeweils montags Tipps rund um Berufsstress und wie du zurück in deine Energie findest.
Alles Liebe 💜
Nathalie
Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade “Das kann ich richtig gut — und hab’s lange nicht gewusst” von Anja Dix. Alle Infos zur Blogparade findest du hier: https://anjadix.com/blogparade-das-kann-ich-gut/

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